Warum es in der Selbstständigkeit wichtig ist, Nein zu sagen

 In Alle, Selbstständigkeit

Gastbeitrag von Tatjana Müller | Als Freiberuflerin habe ich sehr schnell die Basis für eine erfolgreiche und ausgeglichene Selbstständigkeit kennengelernt: Die Fähigkeit, Grenzen zu ziehen. Das mag ironisch und kontrovers klingen, arbeitet man doch angeblich selbst und ständig, Wo sind da bitte Grenzen? Tatsächlich bringt das Wörtchen Nein aber auch (oder vor allem) bei Selbstständigen das Business zum Laufen. Und noch viel wichtiger: Man bleibt dabei gesund!

 

Tatjana von Content & Stories

Tatjana arbeitet seit 2017 als freiberufliche PR-Texterin und lebt in Frankfurt am Main. Unter dem Namen „Content & Stories“ unterstützt sie Unternehmen, Agenturen und Solo-Selbstständige bei der Contenterstellung – vor allem in den Themenbereichen IT, Smart Home, Erneuerbare Energien und Tourismus. Zudem bloggt sie regelmäßig zu den Themen Selbstständigkeit und Freelancer-Leben. Du willst mehr von Tatjana? Dann schaue unter www.content-and-stories.de vorbei!

Nein zum Workaholic-Dasein und Ja zu gesunden Pausen. – Tatjana #selbstständigkeit

Nein zu endlosen Arbeitszeiten à la 24/7

Einzelunternehmer werden es kennen: Die Auslastung in der Selbstständigkeit schwankt. Mal kann man sich vor Aufträgen und Aufgaben nicht retten, mal hat man Leerlauf und Luft. Theoretisch wäre ich in beiden Situationen im Stande, immer durchzuarbeiten. Wenn sich ein Auftrag verschiebt, schreibe ich eben neue Blogbeiträge. Oder feile an meiner Social-Media-Strategie. Die Unterlagen für die Steuer könnte ich aber auch mal ordnen. Müsste-ich-mals finde ich immer. Und doch habe ich mich von Anfang an gegen einen Arbeitsrhythmus à la 24/7 entschieden. Nein zum Workaholic-Dasein und Ja zu gesunden Pausen. Wieso? Weil man auch in der Selbstständigkeit nur über einen begrenzten Energiehaushalt verfügt. Pausen und Feierabend gehören dazu, wenn man langfristig mit Motivation und Begeisterung am Ball bleiben möchte, selbst wenn sich die Arbeit nicht wie Arbeit anfühlt. Dasselbe gilt für die Erreichbarkeit. So habe ich mir feste Zeitgrenzen gesetzt, ab denen ich für Kunden telefonisch nicht mehr erreichbar bin. Manche mögen denken, Offline-Sein könnten sich Selbstständige nicht erlauben. Ich sage, genau das muss man sich erlauben, um am nächsten Tag auch wieder zu 100 Prozent online zu sein.

Nein zu Interessenten, zu denen man nicht passt

Mir ist bewusst, dass sich die Wirtschaft durch Corona in vielerlei Hinsicht im Umbruch befindet. Bei den einen läuft es wie immer, bei anderen wandelt sich das Geschäftsmodell. Entsprechend offen und flexibel sollte man aktuell für Veränderungsprozesse sein. Und doch hat sich in den letzten Jahren bei mir eine Regel bewahrheitet: Arbeite nicht mit Kunden zusammen, zu denen du nicht passt bzw. die nicht zu dir passen. Ein Nein zu einem Interessenten hat nichts mit Selbstständigen-Arroganz zu tun, sondern mit der Tatsache, dass man nicht jedem Kunden langfristig helfen kann. Und dafür gibt es durchaus gute Gründe: Vielleicht kannst du mit dem Thema nichts anfangen (was völlig okay ist, denn niemand ist ein Meister in absolut allem), vielleicht gehen eure Arbeitsweisen komplett auseinander (was zu einem holprigen Projekt führen könnte) oder vielleicht seid ihr euch einfach auf beiden Seiten nicht ganz sympathisch. Eine langfristige Geschäftsbeziehung ist wie jede andere Beziehung davon abhängig, ob es „passt“. Also bewerte die Situation realistisch: Kann ich dem Kunden auf lange Sicht einen Mehrwert bieten? Bringt auch mich die Zusammenarbeit weiter oder bahnen sich womöglich schon zu Beginn potenzielle Probleme an? Sind die Vorstellungen von der Kooperation ähnlich und kann diese funktionieren? Hierbei geht es nicht um Egoismus oder Rosinen-Picken, sondern um eine erfolgreiche und zufriedenstellende Zusammenarbeit für beide Seiten. Und da bleibt ein Nein eben manchmal nicht aus.

 

Wichtige Fragen als Unternehmerin: Kann ich dem Kunden auf lange Sicht einen Mehrwert bieten? Bringt auch mich die Zusammenarbeit weiter oder bahnen sich womöglich schon zu Beginn potenzielle Probleme an? Sind die Vorstellungen von der Kooperation ähnlich und kann diese funktionieren?

Nein zu schlechter Bezahlung

Diesen Ratschlag möchte ich vor allem Anfängern mit auf den Weg geben: Verkaufe dich nie unter Wert. Sag Nein zu schlechter Bezahlung. Schätze deinen Erfahrungsschatz realistisch ein. Welchen Wert hat dieser und wie viel Arbeit steckst du tatsächlich in die Projekte deiner Kunden? Vieles davon ist auf den ersten Blick gar nicht zu sehen, denn dabei handelt es sich nicht nur um deine Zeit, sondern auch um dein Know-how, das in jedes Projekt einfließt. Mal abgesehen davon, dass auch du dein Leben zu bezahlen hast, kann es außerdem schwierig sein, einen einmal festgesetzten Preis beim Bestandskunden später gerechtfertigt zu erhöhen. Also fühle dich nicht schlecht, Nein zu Dumping-Preisen zu sagen. Viel eher hilfst du damit unserer Branche, als Qualität angesehen zu werden. Und auch das ist schließlich eine langfristige Investition. PS: Tabellen und Statistiken zu üblichen Stundensätzen, Paketpreisen und Honoraren findet man heute ganz leicht im Internet.

Nein zu ausschweifender kostenloser Beratung

Eine weitere wichtige Grenze sehe ich bei der Erstberatung von Neukunden. Ein unverbindliches Erstgespräch ist bei mir kostenlos. Dabei geht es darum, sich einander vorzustellen sowie das Projekt und die potenzielle Zusammenarbeit durchzuspielen. In dem Moment, in dem man mit seinem Know-how und der konkreten Projektarbeit loslegt, ist die Grenze zwischen Erstberatung und offiziellem Auftrag jedoch überschritten. Diese sollte man auch für den Kunden markieren. Zumeist ergibt sich dies von selbst am Telefon, aber es ist für die Nachvollziehbarkeit immer ratsam, eine zusammenfassende E-Mail an den Kunden zu schicken, in der man die besprochenen Projektbedingungen auflistet und um eine kurze Auftragsbestätigung bittet. Ein weiterer Tipp von mir: Korrekturschleifen sollte man ebenfalls vorab zeitlich deckeln, um hier nicht potenziell ins Minus zu kommen.

Trau dich, Nein zu sagen in der SelbstständigkeitDarum ist es wichtig, öfter einmal NEIN zu sagen!Nein sagen als Selbstständige!

 

 

 

 

 

 

 

 

Nein zu Stillstand

Vor allem zu Beginn der Selbstständigkeit wirst du merken, dass vieles ab einem gewissen Punkt ins Rollen kommt. Neue Kunden, neue Interessenten, Networking, Aufträge, Ideen – vieles ist miteinander verbunden und bringt dich voran. Und trotzdem finde ich es immer wieder wichtig, zu überlegen, ob man sich in die richtige Richtung entwickelt bzw. ob man sich überhaupt noch entwickelt. Welche Fortbildungen bieten sich zum Beispiel an? Kann man das Angebot noch ausweiten (marktbedingt oder auch aus persönlichem Interesse)? Welchen Themen und Projekten möchte man sich in Zukunft widmen? Und wie gelangt man auf diese Zielgerade? Führe regelmäßig ein kleines Selbst-Coaching durch, um Stillstand in deiner Entwicklung zu vermeiden. Nur so kommt alles für das nächste große Ziel ins Rollen.

Kleine Anmerkung zum Schluss: In meinem Beitrag ist viel von Grenzen die Rede. Versteh mich nicht falsch, hier geht es nicht um Fronten zwischen Dienstleister und Auftraggeber, sondern lediglich um eine erfolgreiche und gesunde Zusammenarbeit für beide Seiten. Zumal hast du auch in der Selbstständigkeit die Erlaubnis, dein Arbeitsleben vom Privatleben zu trennen, auch wenn dein Hobby zum Beruf geworden ist. Selbstständigkeit kann zu Selbstverwirklichung, Freiheit und Erfolg führen – aber auch dafür ist es absolut okay, ab und an eine Trennlinie zu ziehen. Ich ziehe mal gerade eine kleine für eine 10-minütige Kaffeepause. Bis später!

Du brauchst Unterstützung bei einem Textprojekt oder interessierst dich für das Leben als Freelancer? Dann schau bei  Tatjana auf Content & Stories vorbei und hole dir Support und Inspiration.

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